“Was ist bitte ein Blog?” Als ich meinen eigenen Blog gestartet habe, war es noch so, dass keiner wusste was ein Blog ist. Wir haben diskutiert, ob es der oder das Blog (letzteres ist zwar korrekt, aber auf das konnte ich mich nicht einlassen) und darüber, ob wir nun ein Tagebuch online stellen oder ein Blogazine sind. Die Anzahl der Mit-Diskutantinnen war klein, aber höchst interessiert und wir wussten alle nicht, wo die Reise hingehen würde. Wir hatten aber alle das Gefühl Teil einer (R)Evolution zu sein, die das Internet und unser Leben verändern würde und wir sollten damit auch recht haben. Die Neugierde und Spannung die ich damals in mir gespürt habe, ist etwas, dass ich nie vergessen werde. Vor allem weil es mein Leben nachhaltig geprägt hat.

Denn mein Blog war meine Technik- und Marketing Spielwiese in einer Zeit, wo es keine Blogger-Kurse gab und wo man noch alles glauben konnte, was man im Internet gelesen hat (zumindest die technischen Beurteilungen und Tipps rund um den eigenen Blog). Aber wir hatten uns und wir haben so gut wie alles geteilt – die paar “Assis”, die damals noch dachten, dass wir auf bestimmte Dinge, wie wir unsere Blogs verbessern können,nicht von selbst drauf kommen können, und es uns auch nicht verraten haben – die gab’s damals natürlich auch noch. Aber grundsätzlich war das keine nennenswerte Menge und im Grunde war uns das egal: Wir waren jung und wir brauchten die (R)Evolution, oder so.

Und diese Revolution brachte viele lustige, verstörende, erschreckende und freudige Geschichten mit sich. Einige davon möchte ich mal teilen, weil sie noch immer interessant sind, weil es sicher den gleichen Fall noch immer gibt. Und vor allem, weil sie euch vielleicht helfen können mehr in dem Blogger-Business zu sehen, als ihr jetzt gerade so seht.

Der erste Blogger Lunch und die Erkenntnis, dass es wunderbare Menschen gibt

“Wir treffen uns im Café Leopold auf der Terrasse.” Mein Herz hat Sprünge gemacht und konnte es nicht erwarten die anderen Blogger kennenzulernen. Gleichzeitig zu diesem Gefühl war ich allerdings sicher, dass ich Probleme haben würde: Ich, die grundsätzlich fast nur Männer als Freunde hatte, hatte Sorge, ob ich einen Tisch mit so vielen Frauen aushalte. Dass ich mich mit ihnen super verstehen würde, war irgendwie ausgeschlossen und trotzdem wollte ich dem eine Chance geben. Es gab einen Moment bei dem Treffen an dem alle am Tisch saßen – ich glaube wir waren 20 Leute – bei dem ich jeden ins Gesicht sah, und es nicht fassen konnte: Alles sympathisch und hilfsbereit – eine Gruppe zum Wohlfühlen. Das ganze passierte vor dem zweiten Fashioncamp und seitdem bin ich überzeugt, dass die meisten der Menschen, die einen Blog haben wollen einfach wunderbar sind.

Learning: Gehe deiner Leidenschaft nach, auch wenn sie nur wenige mit dir teilen.

Btw.: Wer einen ähnlichen Moment erleben möchte – das Fashioncamp findet jedes Jahr statt. 2018 im November. Hier gibt’s die Tickets!

Die erste Abmahnung – Juristen puh!

“Frau Egger, hier ein eingeschriebener Brief für Sie.” Nachdem ich unterschrieben hatte, war ich sehr gespannt, was da drinnen ist. “Wahrscheinlich bin ich mal wieder 2 km/h zu schnell gefahren oder ähnliches”, dachte ich. Als ich es geöffnet habe, befand sich drinnen ein Brief von einem deutschen Anwalt. Ich hätte von einer kostenlosen Plattform ein Bild von einem Fotografen verwendet und kein Copyright hineingeschrieben. Dazu angehängt war ein Ausdruck mit dem Screenshot meines Blogs, auf dem ersichtlich war, dass ca. 2 Zeilen weiter unten ein © mit dem Namen des Fotografen inklusive Link zu sehen war. Uff, dachte ich – und nahm schon den Hörer in die Hand um gleich den Anwalt anzurufen. Den Anwalt oder die Sekretärin habe ich dann nicht erreicht, sondern nur ein Band “Wir sind gerade beim Diktat. Bitte rufen Sie später an”. Als es piepst, lege ich auf, weil ich es nochmal hören wollte: “Hat die Stimme gerade wirklich Diktat gesagt?” Ja, hat sie und ich konnte es nicht glauben – eine Lachnummer im 21. Jhdt.

Was kam dann?

Ich sprach nach dem xten mal dann doch auf’s Band und bekam natürlich keinen Rückruf – das Diktat dauerte etwas länger. Ich habe in der Woche dann öfter angerufen. Bis ein erneuter Brief eintrudelt in dem plötzlich nicht mehr stand, dass ich kein Copyright angegeben hätte, sondern mein Blog kommerziell wäre. Kommerziell? Was heißt kommerziell? Das war noch zu Zeiten, wo mein Blog in den Kinderschuhen war und ich angestellt war. Mein nächster Anruf war der bei meinem Anwalt – immerhin verstehen die sich ja untereinander am besten. Der hat dann dem Herren einen Brief geschrieben – danach habe ich nichts mehr von dem deutschen Anwalt gehört.

Man soll es schon ernst nehmen, aber anscheinend gibt es auch bei dem ehrwürdigen Stand der Juristen schwarze Schafe, die schnelles Geld machen wollen. Jahre später habe ich wieder so etwas bekommen – diesmal berechtigt und ich habe einige hundert Euro bezahlt, andere Kolleginnen ein paar Tausend, weil sie sich nicht rechtzeitig bei dem “Kläger” gemeldet haben.

Learning: Immer sofort das Smartphone in die Hand nehmen und anrufen.

Yeah! Google hat mich gelöscht

“Wenn du versteckte Links machst, dann straft dich Google ab.” Habe ich gehört und dachte mir in meiner unfassbaren Neugierde: “Wie schnell geht das?”

Etwas, was ich vom Internet gelernt habe: Glaube nicht alles, wenn du es nicht selbst ausprobiert hast. Und das ist ein Learning, das bis heute gilt und, das nicht nur für irgendwelche DIY Nifties auf Pinterest. Nach zwei Jahren mit meinem Blog habe ich es dann ausprobiert. “Mal schauen, ob das funktioniert und mein Blog von der Google-Suche ausgeschlossen wird?” Zu der Zeit hatte das sogar die Agentur von BMW Deutschland geschafft, weil sie sich nicht an die Google-Regeln gehalten haben. Es hat ca 2,5 Wochen gedauert und dann war mein damaliger Blog Modeltalk nicht mehr auf Google zu finden: YES! Danach dämmerte es mir, dass ich vielleicht nun etwas mehr Zeit brauchen werde, um das wieder in Ordnung zu bringen. War auch so. Man muss die Technik und die Dinge, die man hört, ausprobieren. Nicht nur, ob es überhaupt funktioniert, sondern auch, ob man es selbst so machen möchte.

Learning: Manchmal muss man Dinge einfach ausprobieren.

Money money money – ABBA im Ohr und Geld in der Kasse

“Anbei schicke ich Ihnen unser Budget und die Rahmenvereinbarungen.” Zum ersten mal habe ich 2011 eine Anfrage bekommen, wo es nicht um’s Budget-Feilschen ging, sondern einfach eine Agentur meinte: Das ist das Budget, das wollen wir – gib Bescheid, ob das für dich passt – WOW! Ich war furchtbar aufgeregt und vor allem irritiert, weil ich zum ersten Mal ein Briefing bekommen habe, das auch wirklich fundiert war. Wer sich fragt, warum man von mir so genaue Briefings bekommt: Das war der Anfang dieser 1000 Überlegungen, wie man Influencer / Blogger am besten brieft.

Abgesehen davon, dass das Budget mit CHF 1000 für damalige Verhältnisse mehr als großartig war, habe ich mich im Anschluss richtig ausgetobt und abgeliefert. Vor allem hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt nicht erfasst, dass ich eigentlich mit Content Geld verdienen konnte und nicht nur mit Inhalten auf meinem eigenen Blog. Danach habe ich mich sicher gefühlt, dass ein Blog und das, was ich damit lerne, ein Business werden kann – auch wenn ich mir nicht immer vorstellen konnte, nur das zu machen. Als das Geld dann auch wirklich auf meinem Konto landete, habe ich mir gleich mal meine erste Canon gekauft und wie verrückt angefangen zu fotografieren. Die Fotos habe ich dann auch angefangen zu verkaufen, weil.. tja, weil es eben geht. Das war das ausschlaggebende Projekt, das mir die innere Sicherheit gegeben hat, dass ich mich selbständig machen kann – und das zu einer Zeit, wo ich noch immer erklären musste, was “Bloggen” eigentlich ist.

Learning: Manchmal kommen Anfragen, mit denen man zuerst vielleicht nichts anfangen kann, aber die einem am Ende doch neue Möglichkeiten offenbaren.

Blog Business – Adieu Kuschelmode, Businessmode on

“Hast du schon gehört…?” Was in den letzten Jahren leider passiert ist: Aus dem Kuschelmodus, den es in den Anfängen des Blogger Business gab, ist ein teilweise hartes Geschäft geworden – und das kann auch schon mal unter die Gürtellinie gehen. Im Vergleich zu den Möchtegern-Haien im Agentur-Business geht es natürlich noch immer recht cosy zu. Trotzdem fand ich es recht bezeichnend, als ich vor einigen Monaten immer wieder miterlebte wie jemand unter vier Augen über eine Bloggerkollegin schimpfte und sich im nächsten Moment bei Instagram um ihren Hals schwingte und Herzchen aufblinken lies. WTF. Das sind die Momente, wo man sich fragt: Was ist mit diesem Blog-Business denn los? Das Geld ist los – zumindest sehe ich es so. Aber Geld und Aufträge sollten kein Grund sein, den anderen mit dem Messer in den Rücken zu fallen. Schlecht reden, sagt bekanntlich meistens mehr über einen selbst aus, als über die anderen – nicht? Etwas mehr Kuschelmode zwischen den Bloggern wäre gut – auch zu den neuen Bloggern, die da noch einiges an Unterstützung brauchen.

Blogger sind Content Creators geworden, Freelancer, Boutique Ateliers, Micro-Agenturen – und haben die Möglichkeit eine Branche zum Positiven zu verändern. Auf Augenhöhe, mit guter Leistung und vor allem mit Zusammenhalt. Die “Agenturen” der Zukunft sind wir, so sehen es auch diverse Studien. Also lasst uns daraus auch ein neues, besseres, respektvolles und vor allem positives Miteinander machen – auch wenn wir beim Kunden gegeneinander antreten müssen. Wer ist dabei!?!

 


 

Du bist dir noch nicht sicher, ob du deinen eigenen Blog starten solltest? Wir haben hier die Antwort, warum du das auf jeden Fall tun solltest!

 

 

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